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Lebendige Grabkultur

Bei der Gestaltung von Grabmalen geht die Entwicklung zu heimisch-europäischen Materialien hin, sagt Anja Schweizer, stellvertretende Obermeisterin der Steinmetz- und Steinbildhauer-Innung Reutlingen-Tübingen. "Immer mehr Menschen haben das Bedürfnis, mit dem Grabzeichen etwas Persönliches auszudrücken und zu verbinden." Den meisten sei es wichtig, dass das Material für ein Grabmal aus der Region oder zumindest aus Deutschland oder Europa stammt. "Wichtig ist, dass das Material aus einer Region kommt, die sie kennen, zu der sie einen Bezug haben und sie sie mit dem Verstorbenen verbindet", meint die Steinmetzin. Der Entwurf von persönlich gestalteten Grabmalen hat sich im Lauf der vergangenen 14 Jahre zur Hauptaufgabe in ihrem Betrieb am Metzinger Auchtertfriedhof entwickelt.

"Vor allem Kalkstein aus dem Altmühltal mit seinen Naturtönen, seiner warmen Ausstrahlung und seiner angenehmen Haptik entdecken viele Hinterbliebene für sich, da er einen Kontrast zu den meist etwas kühleren Graniten bildet." Auch die gesamte Alpenregion bietet eine Vielzahl an Materialien, darunter verschiedene Marmore, Gneise, Porphyre und Serpentin, die für die Herstellung von Grabmalen hervorragend geeignet sind und mit ihrer großen Bandbreite an Ausdruck und Farbigkeit begeistern, erläutert die Fachfrau.

Für die Gestaltung eines Grabzeichens stehen die Vorstellungen der Hinterbliebenen im Vordergrund. "Viele Menschen legen Wert auf ein personenbezogenes Grabmal", meint Anja Schweizer, "dabei kann die persönliche Botschaft über die Verwendung von Symbolen visualisiert und transportiert werden, die zum Beispiel über Abstraktion zum Nachdenken beim Betrachter anregen." Und: "Ein Grabmal soll Geschichten erzählen und so einen Bezug zu der verstorbenen Person herstellen." Dabei kommen Symbole unterschiedlichster Art zur Gestaltung – religiöse, personifizierte oder berufliche Zeichen, in traditioneller oder auch in frei abstrahierter Darstellung.

So hat sie schon einen roten Hut aus Stein gearbeitet in Erinnerung an die Lieblingskopfbedeckung einer Verstorbenen. Oder ein vollplastisches, in Stein gemeiseltes Tuch – als Symbol für die abendlichen Stunden zu zweit unter einer Kuscheldecke. Eine geschwungene Linie, die sich aus der Oberfläche eines Grabmals erhebt, erinnert an die leidenschaftlichen Tanzstunden eines Paares.

"So entsteht auf den Friedhöfen ein lebendiges Bild", stellt Anja Schweizer fest, "sowohl die Gestaltung der Grabzeichen als auch des Grabes und die Grabarten werden vielschichtiger, bunter und greifen die heutigen Bedürfnisse der Grabnutzer nach Pflegeleichtigkeit, Wertigkeit und Gestaltung auf". Baum-, Wiesen- und andere gemeinschaftlich gepflegte Gräber runden ein breites Angebot an Grabarten auf dem Friedhof ab.

"Die Möglichkeiten einer individuell gestaltbaren Grabstätte und ein Denkmal, das einen Bezug zu der verstorbenen Person herstellen kann und Berührung zulässt, kann Hinterbliebenen dabei helfen, den Tod eines geliebten Menschen zu verarbeiten."

Bild: Bundesverband Bestattungsbedarf

Autor: Iris Kreppenhofer