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Trauerbegleitung

Wilfried Müller und Helga Ulfers leiten ehrenamtlich Trauergruppen des Ambulanten Hospizdienstes Reutlingen.

Sie begleiten Menschen in Trauer

Wilfried Müller und Helga Ulfers: Ehrenamtliche Helfer beim Ambulanten Hospizdienstes Reutlingen.

Das Schwerste, was das Leben uns abverlangen kann, ist der Abschied von einem geliebten Menschen, der uns für immer verlassen hat.« Mit diesen Worten beginnt die Einladung von Wilfried Müller und Helga Ulfers an Angehörige und Freunde Verstorbener, die den Weg durch ihre Trauer nicht alleine gehen und sich einer Gruppe anschließen möchten. Unter dem Dach des Ambulanten Hospizdienstes Reutlingen bieten die beiden erfahrenen Trauerbegleiter im Ehrenamt bei allmonatlichen Treffen ihre Hilfe an.
 
In der offenen Trauergruppe treffen sich Hinterbliebene, können sich ihr Erlebtes von der Seele reden, weinen, hilflos oder wütend auf ihr Schicksal sein – oder einfach nur zuhören. Sie erfahren, dass es anderen ähnlich geht – sie selbst also normal sind, wenn sie beispielsweise in einem Die-Welt-steht-still-Gefühl verharren, aus einem Tal der Tränen nicht mehr herauskommen oder auf die Warum-Frage keine Antwort finden. Manche Trauernde müssen auch damit zurechtkommen, dass sie dem Verstorbenen etwas schuldig bleiben, aber auch der Verstorbene ihnen etwas schuldig geblieben ist, dass Versöhnung nicht mehr stattfinden konnte.
 
"Es ist gut, wenn man den Weg durch die Trauer nicht alleine gehen muss", sagt Wilfried Müller. Der 65-Jährige begann vor 26 Jahren nach eigenen Verlusten zuerst als ehrenamtlicher Sterbebegleiter, während er seine Brötchen als Betriebswirt verdiente. Später bildete er sich zum Trauerbegleiter BVT (Bundesverband Trauer e.V.) und Supervisor/Coach weiter. Und heute blickt er als Rentner auf eine 20-jährige Arbeit als Leiter der offenen Trauergruppe in Reutlingen zurück. Zudem rief er 2011 eine »Trauergruppe für verwaiste Eltern und Zugehörige« ins Leben. Wilfried Müller freut sich, dass ihm mit Helga Ulfers eine vom Hospiz- und Palliativverband qualifizierte Trauerbegleiterin zur Seite steht. Die Hebamme und Krankenpflegerin begann vor zwölf Jahren beim Reutlinger Hospizdienst als ehrenamtliche Sterbebegleiterin.
 
"Wenn eine junge Mutter gerade ihren geliebten Lebenspartner verloren hat, geht es für sie zunächst nur ums Überleben", sagt der Gruppenleiter, "sie muss funktionieren wegen der Kinder." Erst später werde sie den Verlust und Tod als Wirklichkeit begreifen müssen. Ist ein alter Mensch nach langer Krankheit verstorben, empfinden dies die Angehörigen meist anders als jene bei einem plötzlichen Tod, beim Tod eines Kindes, bei einem Suizid oder gar Mord. Dann spricht der Coach von "erschwerter Trauer" für die Hinterbliebenen. In jedem Fall und jeder Phase kann der Besuch einer Trauergruppe hilfreich sein.
 
Wilfried Müller redet nicht gerne von "Trauerphasen", vielmehr von "Aufgaben der Trauer", die ins Leben integriert werden sollten, um mit dem Verlust eines geliebten Menschen weiterleben zu können – und irgendwann auch neuen Lebensmut und einen eigenen Weg zu finden. "Trauer bleibt immer, doch sie wandelt sich und verwandelt sich, aber nur, wenn ich mich mit meiner Trauer beschäftige." Dabei können die Gruppe oder Einzelgespräche mit einem Trauerbegleiter helfen. Je nach Verlust und eigenem Empfinden könne es Jahre dauern, bis sich Betroffene bei ihren "Traueraufgaben" bewegen, um aus ihrem tiefen Tal Stück für Stück heraus zu kommen. "Beim Verlust eines Kindes sind fünf Jahre gar nichts", weiß der Kursleiter. Er kennt ein Paar, das sieben Jahre nach dem Tod seines Sohnes erstmals dessen Zimmer betrat.
 
So haben die beiden Trauerbegleiter in ihrer offenen Gruppe auch langjährige Teilnehmer. "Bei uns können Sie ihre Geschichte immer wieder erzählen, auch wenn die Verwandten oder Freunde sie schon lange nicht mehr hören können", sind sich Wilfried Müller und Helga Ulfers einig. Hilfreich sei oft auch das Trauer-Wochenende im Bildungshaus des Klosters Reute in Bad Waldsee, das seit Jahren in der vorweihnachtlichen Zeit angeboten wird. Die Zeit der Trauer kann zur Chance werden, das Leben neu zu gestalten.
 
In der offenen Trauergruppe sind auch einmalige Besucher willkommen (Wilfried Müller, Telefon 0 71 21/13 94 78, info@begleitung-coaching-supervision.de). Wem dieses Angebot des Ambulanten Hospizdienstes Reutlingen eine zu hohe Hürde ist, kann einfach mal im Trauer-Café in der City-Kirche am Nikolaiplatz vorbeischauen und mit anderen Trauernden einen Kaffee oben auf der Empore trinken (an jedem ersten Freitag im Monat von 15 bis 17 Uhr).
Autor: Iris Kreppenhofer (GEA)